Anders Wohnen
Entwürfe für Haus Lange Haus Esters, Krefeld


Haus Esters, Krefeld Terrassenbereich, Gartenseite, Süden. Foto: Volker Döhne


 

Das sich über ein Jahr nach und nach aufbauende Projekt „Anders Wohnen“ wächst weiter:

Am 7. Juli 2019 wird unter dem Thema Mobilität der zweite Akt im Außenbereich der Häuser Lange und Esters eröffnet. Drei der insgesamt fünfzehn beteiligten Künstler*innen, Architekt*innen und Designer*innen haben im Garten neue Werke realisiert. Mobilität als bestimmender Grundzug unserer heutigen Weltgemeinschaft bildet das Scharnier zwischen utopischem und dystopischem Denken, wie es sich in den Ausstellungen in Haus Lange und Haus Esters zeigt bzw. zeigen wird. Neben den Villen von Ludwig Mies van der Rohe ist nun auch das Gartenhaus (ca. 1921/1926) von den Deutschen Werkstätten Hellerau, Dresden, Teil des Projektes.


Akt 2: Mobilität – Teilnehmer*innen: Didier Fiúza Faustino, Andreas Schmitten, Andrea Zittel



Beweglichkeit, der „flexible Mensch“ (Richard Sennett), Nomadentum, Raum der Ströme, digitale Datenautobahnen, globaler Kapitalismus, öffentlicher Verkehr, Migration – das sind nur einige wenige Stichworte, mit denen die grundlegend mobile Verfasstheit unserer heutigen Gesellschaft beschrieben ist. Mobilität prägt daher das Bild unserer Städte ebenso wie individuelle Wohnformen wesentlich mit. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Moderne mit einem Siedlungsbau in städtischen Randlagen und einer auf Funktionalität ausgerichteten Hausstruktur die Mobilität des einzelnen Menschen vorgegeben; heute werden umgekehrt urbane Gefüge, Verkehrsstrukturen und Wohnkonzepte nach Bewegungen und räumlichen Strömungen ausgerichtet. Denkt man über Mobilität nach, richtet sich der Blick immer auch nach vorne, mitunter auch in eine utopische oder dystopische Zukunft.


Mobilität kennzeichnet einen Transferraum, einen Zwischenraum. Hier treffen öffentlich und privat, außen und innen unmittelbar aufeinander. Bei dem Projekt „Anders Wohnen“ steht der Gartenbereich von Haus Lange und Haus Esters gleichbedeutend für eine solche Zone des Übergangs, stehen hier doch Architektur und Natur, Innen und Außen in einem permanenten Dialog. Große Fensterfronten und eine verzweigte Terrassenlandschaft sind die architektonischen Instrumente, die den Übergang gewährleisten.


Genau diese Transferzone besetzt Didier Fiúza Faustino (*1968 in Lissabon, lebt in Paris) mit seiner Arbeit „Global Warming“: Feldbetten, die zu einem Kreuz verschränkt sind, und Flugzeugdecken von unterschiedlichen Airlines bilden ein symbolisches Verweissystem, mit dem der französische Künstler und Architekt auf die Überhitzung einer Gesellschaft verweist, die sich beispielhaft in erzwungenen Migrationsbewegungen und ihren Folgen zeigt.


Andreas Schmitten (*1980, lebt in Düsseldorf) der an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat, hat eines seiner Modelle, die im Haus Lange bereits seit Mai ausgestellt sind, Wirklichkeit werden lassen. Mit kaputten und deformierten Gartenmöbeln inszeniert er vor Haus Lange eine Freizeitidylle, die schon lange nicht mehr funktioniert. Das Private und Intime wird nicht nur der Öffentlichkeit vorgeführt, sondern gleicht hier einem memento mori.


Die US-Amerikanerin Andrea Zittel (*1965, lebt in Kalifornien) verwandelt das Gartenhaus von Haus Esters in eine Wohnzelle, in der sich zukünftig Reisende und Ortsansässige bei einem kleinen Imbiss begegnen können. Ein modulares und flexibles System aus Tischen, Hockern und Teppichen macht aus dem verwunschenen Holzhaus einen Ort, der Kunstwerk und Café zugleich ist.


Text: Kunstmuseen Krefeld



Eröffnung: 7. Juli 2019, 11.30 Uhr, Haus Esters, Krefeld

Ausstellungsdauer: 7. Juli 2019 bis 26. Januar 2020


Weitere Informationen zum Projekt „Anders Wohnen“ >>



Das Projekt wird von der Kunststiftung NRW gefördert und ist eines der dreißig von der Kunststiftung NRW ausgezeichneten Jubiläumsprojekte im Rahmen von 30 Jahre Kunststiftung NRW.