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Kunststiftung NRW

21. Internationales Lyrikertreffen Münster


Frauke Schnell (Leiterin Kulturamt der Stadt Münster), Cornelia Wilkens (Kulturdezernentin Stadt Münster) und Hermann Wallmann (künstlerischer Leiter). Foto: Presseamt Münster



Beim ersten Internationalen Lyrikertreffen vor 40 Jahren war der Große Hörsaal am Schlossplatz in Münster ausverkauft. Erich Fried, der streitbare Dichter politischer Poesie, las sogar im Freien. Ein großer Erfolg. Alle zwei Jahre trafen sich fortan Lyrikerinnen und Lyriker in Münster, um ihre Gedichte vor Publikum auszuloten. Vom 24. bis zum 26. Mai 2019 wird Münster in diesem Jahr wieder zum Zentrum für Gegenwartspoesie. 

Zur 21. Ausgabe sind über 20 Dichterinnen und Dichter aus sieben Ländern zu Gast. Zum Höhepunkt und Finale vergibt die Stadt Münster am Sonntag, 26. Mai, im barocken Erbdrostenhof ihren Preis für Internationale Poesie an den russisch-amerikanischen Autor Eugene Ostashevsky und seine beiden deutschen Übersetzerinnen Monika Rinck und Uljana Wolf für den Gedichtband „Der Pirat, der von Pi den Wert nicht kennt“. 

 

Zum Start des Lyrikertreffens richtet sich der Blick nach Syrien – und auf die Kunst des Übersetzens. In der Anthologie „Deine Angst – Dein Paradies“ hat Herausgeber Hans Thill Gedichte von syrischen Autorinnen und Autoren und ihren Übersetzern versammelt. Welche Tücken das Sprach-Handwerk birgt, machen Aref Hanza, Lina Atfah und Mohammed Al-Matroud gemeinsam mit ihren deutschen Kollegen Julia Trompeter, Brigitte Oleschinski und Joachim Sartorius in einem öffentlichen Workshop erfahrbar. 

Mit Thilo Krause erlebt man einen Lyriker mit ungewöhnlicher Biografie: Er ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und arbeitet in Zürich beim Elektrizitätswerk. Aktuelle Poesie aus Großbritannien bringt die vielfach ausgezeichnete Lyrikerin Jo Shapcott auf die Bühne. Und Carolin Callies liest aus ihrem Gedichtband „Schatullen & Bredouillen“, der in diesem Jahr ihrem ebenso klangvollen Debüt „Fünf Sinne & nur ein Besteckkasten“ folgte. 

Auch Cees Nooteboom bringt neue Gedichte mit. Sein aktueller Band „Mönchsauge“ spielt auf den Namen der westfriesischen Insel Schiermonnikoog an. „Die Gedichte sind aber nicht nur dort, sondern auch auf Menorca, dem spanischen Sommerdomizil des Autors, entstanden“, verrät Hermann Wallmann.

Nobelpreisträgerin Herta Müller gibt Einblicke in ihre außergewöhnliche Arbeitsweise mit Klebestift und Nagelschere. Die Lyrikerin versteht sich als Regisseurin, wenn sie ausgeschnittene Zeitungswörter zu Gedichten komponiert. Die Wort-Gebilde werden nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen sein. 


Neue sinnliche Eindrücke versprechen auch Poesiefilme, die einige Lyriklesungen ergänzen. „Wir ziehen damit eine Verbindung zum münsterschen Poesiefilmfestival ZEBRA“, erklärt Kulturamtsleiterin Frauke Schnell. Auch die Veranstaltungsreihe POETRY, die im Vorfeld des Lyrikertreffens stattfindet, wird sich stärker als bisher auf das Lyrikertreffen beziehen. Zudem gibt es Berührungspunkte mit der Westfälischen Wilhelms-Universität. So bot beispielsweise das Germanistische Institut ein Seminar zum Lyrikertreffen an, und neben dem Theater Münster wird die Studiobühne der Uni ein Veranstaltungsort sein. „Solche Vernetzungen möchten wir in den kommenden Jahren noch intensivieren“, so Frauke Schnell. 

Sehr beliebt sind weiterhin die Schullesungen, bei denen Lyriker in Klassenzimmern live von ihrer Arbeit berichten. Fester Bestandteil des Lyrikertreffens ist auch weiterhin das Memorial, das dieses Mal Paul Celan gewidmet ist. Ein Vorgriff auf das Celan-Jahr 2020, wenn der 100. Geburtstag und der 50. Todestag des Ausnahmelyrikers zusammenfallen. Der Autor und Literaturkritiker Helmut Böttiger wird in Münster Celans jüdische Familiengeschichte, sein lyrisches Werk und seine Liebe zur Schriftstellerin Ingeborg Bachmann beleuchten. Poetologisch in die Tiefe geht Autor und Literaturkritiker Christian Metz mit seinem Grundsatzvortrag „Warum Lyrik“, der sich an eine Bestandsaufnahme des Lyrikbooms der vergangenen 20 Jahre wagt.  


 

Teilnehmende Lyriker*innen und Musiker*innen:


Urs Allemann,  Mohammed al-Matroud, Lina Atfah, Helmut Böttiger, Carolin Callies, Maciej Frackiewicz, Aref Hamza, Nancy Hünger, Anja Kampmann, Thilo Kraus, Nikola Madzirov, Christian Metz, Herta Müller, Cees Nooteboom, Brigitte Oleschinski, José F. A. Oliver, Eugene Ostashevsky, Monika Rinck, Joachim Sartorius, Sophia Scheifler, Jo Shapcott, Ermis Theodorakis, Hans Thill, Julia Trompeter, Uljana Wolf


Moderator*innen: Hans Jürgen Balmes, Dr. Maren Jäger, Hermann Wallmann. 


Text: Lyrikertreffen Münster >



Das Festival ist eine gemeinsame Veranstaltung vom städtischen Kulturamt Münster und dem Literaturverein Münster.


Die Kunststiftung NRW fördert das Lyrikertreffen 2019.



Herta Müller, Foto: von Becker